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Selbstbeeinflussung in letzter Sekunde...

 

Selbstbeeinflussung in letzter Sekunde

Vor Jahren hatte ich mit einem Mann zu tun, der immer wieder sagte: "Ich sage Ihnen ganz offen ..." Er benutzte diese Floskel bei jedem seiner Kunden, Mitarbeiter oder Geschäftspartner. Dass er in der Summe wirklich offener war als andere, glaube ich nicht.

Mir fiel aber auf, dass er häufig ins Stocken kam, wenn er diese Redewendung gebrauchte. Er sagte "Ich sage Ihnen ganz offen:" und hielt dann einen Augenblick inne. Es war, als ob er jetzt erst überlegte, ob es richtig war, diese Aussage wirklich offen zu machen.

Im letzten Augenblick?

Diese Beobachtung kam mir wieder in den Sinn, als ich überlegt, wie ich diese einfache Methode zur Selbstbeeinflussung deutlich machen könnte. Es geht darum, durch Gewohnheitsbildung gerade noch im letzten Moment Fehler zu verhindern. Es geht darum, kurz bevor man etwas sagt oder tut, noch einmal die Bremse zu treten und sich in die richtige Richtung zu lenken, eine gedankliche Notbremse sozusagen.

Unsere Denkvorgänge laufen ab, indem ein Gedanke den nächsten zündet, ein permanenter Anregungsprozess. Eine winzige Unterbrechung, und sei es nur ein Vogel, der sich neben mir auf das Terrassengeländer setzt, kann meine Gedanken in eine neue Richtung lenken.

Bei genauem Hinsehen stellen wir fest, dass das richtige Stichwort im entscheidenden Moment nicht nur die Gedanken lenken kann. Es lenkt sie immer und zuverlässig. Und dieses richtige Stichwort kann auch aus einer abgedroschenen Floskel stammen.

Ein Beispiel:

KöniginEine begabte junge Frau, zum ersten Mal Projektleiterin, schuf immer wieder von Neuem Probleme mit ihrem Kunden. Sie verbrachte viel zuviel kostspielige Zeit damit, Protokolle zu schreiben, sich abzusichern und in ihrem Eifer dem Kunden vorzurechnen, dass es Unsinn war, seine Wünsche durchzusetzen und besser, doch lieber den "hier leicht nachteiligen" Standard zu wählen. Schnell galt sie als arrogant und inkompetent und riskierte ihren Rauswurf. Trotz zahlreicher Ermahnungen und eigener Einsicht fiel sie immer wieder in ihr ungeschicktes Verhalten zurück.

Im täglichen Hin und Her fiel deshalb immer mal wieder das Stichwort "Der Kunde ist König". Und dann kam es zu einer überraschenden Begebenheit:

Bei einer Besprechung wollte die Projektleiterin wieder etwas sagen wie "Das geht nicht! Wir kommen nochmal zwei Tage mehr in Verzug ...". Genau jetzt fiel aber ihr Blick auf den Mann, der so gerne "Der Kunde ist König" sagte. Und sie begann ihren eigenen Satz mit "Ich weiß, der Kunde ist König". Dann stockte sie einen Moment. Und heraus kam nun so etwas wie "Ihr Wunsch lässt sich mit unserem Produkt umsetzen. Wir werden durch die Änderung etwa zwei Tage verlieren. Lassen Sie uns deshalb kurz diskutieren, was wir tun können, um den Zeitplan trotzdem einzuhalten ..."

Bis hierher haben wir eine Geschichte, die immer wieder vorkommt. Die junge Frau ging aber noch einen Schritt weiter. Sie erkannte sofort, dass sie sich diesmal richtig verhalten hatte und machte aus dem Trick eine Methode:

Vom Trick zur Methode König

Von Stund an begann sie absichtlich immer wieder Aussagen mit "Der Kunde ist König. Und deshalb ..." So gab sie sich selbst immer wieder dieses Stichwort und krempelte ihre Verhaltensweise in kürzester Zeit wirksam um. Nach wenigen Tagen sagte sie auch nicht mehr laut "Der Kunde ist König", sondern dachte es sich einfach. Die Verhaltensänderung war in Fleisch und Blut übergegangen. Die Spannungen flauten ab. Das Projekt verlief gut.

Diese Methode ist nur selten im Detail durchdacht. Aber sie kommt häufig vor. Und sie bringt das gewünschte Ergebnis. Ein Seminarteilnehmer erzählte mir von einem Kollegen, der den Überbringer der Hauspost immer mit den Worten nervte: "Der Papierkorb ist der beste Freund des Menschen". Und er soll tatsächlich nie ein unnützes Stück Papier auf seinem Tisch behalten haben.

Das Beispiel zeigt deutlich, dass es auch keineswegs immer nur eine gedankliche Notbremse sein muss. Die geschickte Nutzung von scheinbar belanglosen Floskeln beeinflusst uns ganz massiv.

Überlegen Sie, welche Redewendungen Sie heute schon oft oder zu oft benutzen. Überlegen Sie, in welche Richtung diese Floskeln Sie lenken könnten.

Die Methode scheint jedenfalls auch besser zu funktionieren als die "Friss die Hälfte"-Aufkleber an der Kühlschranktür oder die "Lies mal wieder!"-Aufkleber am Einschaltknopf des Fernsehers. Ein Warnsignal von innen ist offenbar wirksamer. Könige

Ändern Sie Ihren Spruch, wenn Sie merken, dass Sie über das Ziel hinausschießen. So wird dann vielleicht aus "Der Kunde ist König": "Auch Könige müssen Regeln einhalten".

Es heißt, Selbsterkenntnis sei der erste Schritt zur Besserung. Aber eben nur der erste Schritt. Wenn Sie also das Gefühl haben, immer mal wieder gegen bessere Erkenntnis zu handeln, könnte das auch Ihre Methode der Wahl sein: Überlegen Sie sich einen griffigen Spruch ("Geiz ist geil", "Nur wer wagt, gewinnt", "Ich könnte im Unrecht sein ..", "Welche vier Lösungen gibt es?" .... , der auf Ihre Verhaltensweise passt und den entscheidenden Anstoss geben kann.

Achtung! Bleiben Sie selbst am Steuer! Auch häufige Redensarten wirken wie Autosuggestion. Überlassen Sie das nicht dem Zufall.

Eine weitere Form positiver Selbstbeeinflussung:
Erleben Sie Ihre Erfolge bewusst! Genießen Sie das Erlebnis, erledigte Aufgaben genussvoll durchzustreichen. Das gibt Ihnen Energie zurück und hält Ihre Motivation aufrecht.