mehr Erfolg mit meineZIELE!








Feedback

Denken in Versionen macht kreativer

Noch vor zwei Jahrhunderten wurden Ackerflächen nicht in Hektar, sondern in Morgen gemessen, entstanden aus der Fläche, die ein Bauer an einem Morgen umpflügen konnte. Solche "Portionen" von Arbeit bestimmten das Bewusstsein der Menschen. Arbeitsmethodiker sehen bis heute in erster Linie das Portionieren von Arbeit als Ansatzpunkt für Verbesserungen.

Kreatives Denken erfordert eine ganz andere Sichtweise: Nicht Portionen, sondern Versionen der Arbeit.

Was ist damit gemeint?
 

Versuch vor Ergebnis

Beginnen wir mit einem Rückblick in unsere persönliche Entwicklung. Schüler packen größere und unbekanntere Aufgaben an, wenn man sie nicht nur für gute Ergebnisse lobt, sondern für das Anpacken. Lob für Initiative macht Kinder schlauer. Denn Lob für Ergebnisse fördert das Vermeiden von Fehlern, es fördert das Vermeiden von Unbekanntem und schwächt so das Lernen. Schüler, die sich selbst immer wieder die Latte höher legen, wachsen über sich hinaus. Man kann wissenschaftlich belegen, dass unser Gehirn zwingend darauf angewiesen ist, auch Fehler zu machen, um überhaupt seine höchste Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Kreative Schaffensprozesse, z.B. Nachdenken über eine bessere Strategie oder eine Produktverbesserung, sind Lernprozesse. Sie zeichnen sich oft durch eine besonders hohe Quote von versuchten und wieder verworfenen "Irrwegen" aus. Man greift viele Gedanken auf, die sich dann als Fehler erweisen. Anders geht es nicht. Auch so etwas wie "Strategisches Denken" hat also immer auch etwas von der berühmten Brainstorming-Methode. Das ist sehr wichtig: Fehler akzeptieren und ganz selbstverständlich erwarten. Erst in einem späteren Schritt die Spreu vom Weizen trennen.
 

Irrwege sind nützlich

Man verfolgt also einen Ansatz und steckt eine Menge Energie hinein, um ihn auszuloten. Doch irgendwann später wird man ihn verwerfen, eben weil er sich als Irrweg erwiesen hat.

Ebenso wie bei anderen Fehlern versuchen die meisten Menschen, oft regelrecht ängstlich, solche Irrwege zu vermeiden. Doch es ist klar, dass allenfalls zufällig eine gute Lösung gefunden werden kann, ohne zuvor solche Irrwege zu verfolgen.

Richtig ist also: Nicht Irrwege vermeiden, sondern früh als solche erkennen.

Es zeigt sich auch, dass meist nur ein sehr kleiner Teil der eingesetzten Energie tatsächlich verloren ist. Man lernt auch auf Wegen, die letztlich nicht zur Lösung führen, außerordentlich viel über sein Problem. Die Vorstellung, man hätte die ganze Zeit verschwendet, geht an den Tatsachen weit vorbei. Aber natürlich sind wir schneller, wenn wir zwar viele Irrwege begehen, aber sie möglichst früh als solche erkennen. Wie geht das?
 

Feedbackschleife

Wissen Sie noch, wie Sie als Student Ihre Masterarbeit voranbrachten? Für eine solche schöpferische Arbeit wird man sich nicht wochenlang in seine Bude zurückziehen, sondern sehr häufig Feedback bei seinem Betreuer oder beim Professor holen.

Man braucht Feedback, um Irrwege zu erkennen. Aber natürlich geht ein Student nicht zum Betreuer und sagt: "Ich komme da nicht weiter. Kannst Du mir helfen?" Er wird vielmehr vier Informationen vorbereiten:

  • Welche Teilergebnisse sind bereits erzielt?
  • Wo genau liegen Gründe, warum es nicht weitergeht?
  • Welche Ansätze sind bereits verfolgt?
  • Und welche nicht?

Gutes, nützliches Feedback muss man sich erarbeiten. Das beste Feedback bekommt man, wenn ein "Feed" vorausgeht, wenn man also den Feedback-Geber so gut wie möglich über diese vier Punkte informiert.

Jede sachliche Einschätzung, die der Student seinem Betreuer entlockt, gibt ihm ein Stück Orientierung. Dieses Feedback wird meist beide Richtungen betreffen: Es gibt Anstöße für neue Wege und es hilft, Irrwege zu verwerfen. Der Student macht sich wieder an die Arbeit und beginnt die nächste Schleife.

Die Suche nach Feedback kann auch den Charakter von Versuchsballons annehmen. Dann überwiegt der Wert des erhofften Feedback sogar das eigentliche Zwischenergebnis.
 

Versionieren von kreativen Lösungen

Viele kreative Überlegungen haben ganz generell diese Eigenschaft: Man kann in einer Stunde eine Lösung entwickeln, in zwei Tagen oder in einem Monat. Alles nur eine Frage der verfügbaren Zeit und der geforderten Qualität. Doch ohne Rückmeldungen und neue Anregungen nützt mehr Zeit oft nicht viel. Man fängt an, sich im Kreise zu drehen.

 Wenn man also nicht im stillen Kämmerlein vor sich hin brüten, sondern Feedback gewinnen will, dann wird man auf "Versionen" seiner Lösung hinarbeiten. Also so etwas wie Version 1 gleich nach zwei Stunden mit den Kollegen bereden. Nach einem Tag die Version 2 und in einem Monat nach und nach 10 Versionen.

Richten Sie eine kreative Arbeit also nicht an Portionen, etwa geleisteten Arbeitsstunden, aus, sondern an Versionen. Jede immer ein Stück weiter und ein wenig besser als die Vorhergegangene.
 

Versionen ankündigen

Es gibt natürlich Chefs, die nicht auf Anhieb verstehen, dass Sie diese Technik der Versionierung anwenden. Je nach Situation sollten Sie das klären und möglichst auch gleich ankündigen, wann Sie die nächste Version Ihrer Lösung vorlegen wollen. Sonst denkt er vermutlich: "Was will die denn jetzt schon wieder?" In jedem Falle ist es gut, wenn Sie selbst sich einen ungefähren Zeitrahmen setzen. Sie sollten sich die Latte so hoch legen, dass Sie sich selbst dadurch motivieren, aber natürlich nicht völlig überfordern.
 

Versionen vorzeigbar machen

Dieses "Denken in Versionen" macht sehr bewusst, dass man jeweils etwas Vorzeigbares entwickelt. Jede Version sollte Gedanken so weit aufbereiten, dass man sie zeigen kann. Sonst klappt das nicht mit dem Feedback. "Zeigen" kann mit Stichworten auf einer Powerpoint-Folie anfangen. Bei abstrakten Themen wirken schon Stichworte, die man vor Augen hat, wie etwas Konkretes zum Anfassen. Je abstrakter das Thema, desto mehr Aufwand wird man in eine verständliche Darstellung investieren. Auch das ist natürlich keine Zeitverschwendung. Denn was Andere besser verstehen, verstehen wir auch selbst besser.

Planmäßige Nutzung von Feedback ist wie Sehen mit den Augen eines Anderen. Geben Sie dem Feedback-Geber etwas zum Sehen.

Bei abstrakten Themen, etwa bei den genannten strategischen Überlegungen, brauchen wir Schaubilder. Wenn man also etwa mit dem Spezialwerkzeug meineSTRATEGIE strategische Diagramme erzeugt, dann ist das nicht nur gut zur Präsentation eines Endergebnisses. Es ist vielmehr Bestandteil des Denkprozesses. Verständliche Schaubilder sind wichtige Elemente eines versionierten Kreativprozesses.
 

Mut

Feedback einzuholen, erfordert oft Mut. Mancher Chef wird lieber in Ruhe gelassen. Und mancher Chef gibt mehr ätzende Kritik als konstruktives Feedback. Doch da muss man durch. Der Erfolg wird Ihnen Recht geben. Ideen entstehen nicht aus dem Nichts. Denken Sie an Produkte wie Software: Es wäre vermessen, würde ein Programmierer glauben, in seiner ersten Version schon alle Bedürfnisse der Kunden richtig erkannt und umgesetzt zu haben. Ohne Feedback der Kunden wird das Produkt nicht reifen. Man kann auch keine Fremdsprache lernen, ohne mal ein paar erste Worte zu sagen. Blamieren kann sich nur der, der darüber lacht.

Erstellen Sie Versionen Ihrer Lösung. Machen Sie jede neue Version  verständlich und vorzeigbar. Und gehen Sie dann mit Feedback in die nächste Runde.
 

Zusammenfassung

Kreative Denkprozesse zeichnen sich durch eine hohe Quote später verworfener Irrwege aus. Planmäßig eingeholtes Feedback ist besonders wichtig.
 

Wo möchten Sie jetzt weiterdenken?

Weiter mit "körperlicher Unterstützung beim Kreativprozess" oder
Weiter zum Anwendungsgebiet Strategisches Denken.